Togo-Teise 2025

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Kategorie: Vor Ort

Vom 15.03. bis 25.03. waren unsere 2. Vorsitzende Gabriele Heinrichs, ihr Sohn Christian und ich wieder in Togo. Nach einer sehr entspannten Anreise ab Brüssel sind wir gegen 20 Uhr in Lomé gelandet und wurden von unserem lieben Hyacinthe in Empfang genommen. Nach einem kurzen Abstecher ins Hotel ging es in ein gemütliches Restaurant, um noch kurz etwas zu essen, bevor wir alle hundemüde ins Bett gefallen sind.

Schon am nächsten Morgen ging das Programm los. Direkt nach dem Frühstück wurden wir abgeholt und machten uns auf den Weg zu einem Mädchenwohnheim, das der zweite Rheinbacher Togo-Verein, die Togo-Hilfe, aktuell bauen lässt. Da ein Teil der vom Städtischen Gymnasium Rheinbach gesammelten Spenden in dieses Projekt fließt, wollte sich Gabriele diesen Besuch nicht entgehen lassen – sie organisiert ja das Togo-Projekt des Gymnasiums.

Anschließend trafen wir uns zum Mittagessen mit einem Patenkind. Toyi, Patenkind des Städtischen Gymnasiums, studiert in Lomé und hat sich sehr gefreut, Gabriele, die ihn nun schon viele Jahre betreut, wiederzusehen.

Danach ging es endlich Richtung Kpalimé, wo bereits der nächste Termin auf uns wartete. Nach einer kurzen Pause im Hotel kamen abends unsere Projektleiter zu uns, um die nächsten zehn Tage zu besprechen.

Der erste richtige Tag in Kpalimé startete mit einem Besuch des Kindergartens sowie der Grund- und Realschule in Kusuntu. Wie immer waren die Kinder ganz aus dem Häuschen, als wir mit unseren Mopeds um die Ecke kamen – besonders die Kindergartenkinder, die noch nicht oft Weiße zu Gesicht bekommen haben. Natürlich gab es für alle Kinder auch wieder ein Tütchen Haribo.

Danach begannen die ersten Patenkinderbesuche. In diesem Jahr lag der Fokus auf den Kindern, die wir in den letzten Monaten neu ins Programm aufgenommen haben. Zuvor besuchten wir jedoch einige Patenkinder, die in den Wochen vor unserer Reise schwere Schicksalsschläge hinnehmen mussten. Gleich drei von ihnen haben einen Elternteil verloren. Da wir sie alle persönlich kannten – teilweise hatten wir noch im Vorjahr mit ihnen zusammengesessen –, war es uns wichtig, den Familien unser Beileid auszusprechen.

Auf dem Rückweg hielten wir noch bei Eric und Botossi. Die beiden sind zwar nicht mehr im Programm, waren es aber viele Jahre lang und haben sich nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung als Schreiner selbstständig gemacht. Natürlich wollten wir sehen, wie es ihnen mittlerweile geht. Beide berichteten uns, dass ihre Geschäfte gut laufen – Botossi erhält sogar teilweise Aufträge aus Ghana. Die beiden sind ein gutes Beispiel dafür, was mit der richtigen Unterstützung alles möglich ist.

Da Gabriele in unserem Verein für die Azubis verantwortlich ist, lag ein Schwerpunkt der diesjährigen Reise darauf, bestehende Kontakte zu Ausbildungszentren zu pflegen und neue aufzubauen. Daher besuchten wir nicht nur wie üblich das Ausbildungszentrum CRETFP, mit dem wir seit vielen Jahren eng zusammenarbeiten, sondern auch die Landwirtschaftsschule INFA de Tové, die Leiterin des Handwerkerzentrums, den Leiter der Handwerkskammer sowie den Regionaldirektor, der für alle Schulen der Region verantwortlich ist.

Besonders der Besuch bei INFA de Tové hat uns sehr beeindruckt. Es handelt sich um ein großes und anerkanntes Ausbildungszentrum, das sich auf Landwirtschaft spezialisiert hat. Wir durften in einige Fachbereiche hineinschnuppern und haben anschließend mit dem Leiter Kooperationsmöglichkeiten besprochen. Wir planen, ähnlich wie im CRETFP, auch hier Kennenlern-Tage für unsere Kinder einzuführen.

Danach folgten weitere Patenkinderbesuche, bevor wir nach einem kurzen Abendessen müde ins Bett fielen.

Am nächsten Morgen stand bereits das nächste Treffen zum Thema „Ausbildung“ an: Wir besuchten das Handwerkerzentrum und konnten uns dort mit der Leiterin austauschen. Auch dieses Zentrum bietet unseren Patenkindern die Möglichkeit, nach der Schule eine Ausbildung zu absolvieren. Aktuell besuchen zwei unserer Kinder das Zentrum und machen eine Ausbildung zur Köchin bzw. Schneiderin.

Anschließend ging es zur Grundschule in Novissi. Auch hier war die Freude über unseren Besuch groß. Nach einem kurzen Gespräch mit einem der Direktoren fuhren wir weiter zu den nächsten Patenkinderbesuchen. Wie immer wurden wir herzlich begrüßt und bestens mit frischem Obst und Getränken versorgt.

Am Donnerstag besuchten wir die Realschule bzw. das Gymnasium in Novissi. Die Schule kämpft aktuell mit steigenden Schülerzahlen, seit sie im letzten Jahr von einer Realschule in ein Gymnasium umgewandelt wurde. Um die Raumnot zu lindern, haben wir bereits im Vorjahr eine Laube errichten lassen. Umso erfreulicher war es zu sehen, dass nun auch die Regierung aktiv geworden ist und ein zweistöckiges Schulgebäude errichtet hat. Dieser positive Trend wurde uns später auch vom Regionaldirektor bestätigt, mit dem wir uns – wie im Vorjahr – kurz austauschen konnten.

Nach einem kurzen Abstecher zu zwei Patenkindern, die kürzlich ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben und sich als Schneiderinnen selbstständig machen, besuchten wir die Handwerkskammer in Kpalimé. Sie bildet den Zusammenschluss aller Handwerksbetriebe vor Ort. Auch hier streben wir eine Kooperation an, damit unsere ausgebildeten Patenkinder leichter einen Einstieg in den Arbeitsmarkt finden. Besonders interessant war die Information, in welchen Bereichen derzeit Fachkräfte fehlen: u.a. in der Lebensmittelproduktion, im Bereich erneuerbare Energien und Solar sowie in der Abfallwirtschaft.

Am Freitag standen Treffen mit den Vorständen der Landwirtschaftsinitiativen in Kusuntu und Novissi auf dem Programm. In Kusuntu wurden wir von der gesamten in der Landwirtschaft tätigen Elternschaft empfangen. Hier läuft die Arbeit gut: Die Eltern kommen regelmäßig zu den Feldern, die sinnvoll genutzt werden.Ganz anders in Novissi: Während man uns im Vorjahr noch den baldigen Anbau von Erdnüssen versprach, war dieses Mal niemand mehr vor Ort. Dieses Verhalten bestärkt uns in der Entscheidung, die Felder in Novissi verkaufen zu wollen. Alternativ könnten sie eventuell dem INFA de Tové zu Ausbildungszwecken zur Verfügung gestellt werden.

Am Samstag stand der traditionelle Marktbesuch mit einer Gruppe von Patenkindern an. Die Kinder konnten sich dort mit einigen notwendigen Dingen eindecken.Nachmittags fand dann die diesjährige Patenschaftszeremonie statt. Unsere neuen Patenkinder wurden feierlich in den Verein aufgenommen. Nach dem großen Fest 2024 wurde uns dieses Mal zwar versichert, dass es sich um eine kleine Veranstaltung handeln würde – über die Definition von „klein“ müssen wir mit Hyacinthe aber wohl noch einmal sprechen. Natürlich wurde es wieder ein großes Fest mit Auftritten unserer Tänzer und Musiker, vielen Gästen, guter Musik und leckerem Essen. Besonders schön war, dass einige unserer Absolventen und ehemaligen Patenkinder ein paar Worte an die neuen richteten, um ihnen zu zeigen, welche Chancen ihnen die Patenschaft eröffnet.

So langsam näherte sich unser Aufenthalt dem Ende. Aber natürlich wollten uns auch noch unsere Fußballer ihr Können zeigen. Also fand am Sonntag ein kleines Sportfest mit Fußball und Staffellauf statt. Beim Staffellauf ließ es sich Christian nicht nehmen mitzumachen – und tatsächlich gewann sein Team.

Am Abend fand dann unser abschließendes Treffen mit allen Mitarbeitenden statt. Dieses ist uns besonders wichtig, da wir dort direkt Rückmeldungen aus allen Projektbereichen erhalten – was gut läuft und wo es noch Verbesserungspotenzial gibt. Es ist auch immer die Möglichkeit, allen Mitarbeiten direkt unseren Dank auszusprechen. Ohne sie würde das ganze Projekt nicht funktionieren.

Ein besonderes Highlight war die Einladung von Gloria, dem Patenkind des SGR und langjährigen Patenkind von Gabriele Heinrichs. Gloria macht aktuell eine Ausbildung zur Köchin im Handwerkerzentrum und wollte uns nicht abreisen lassen, ohne uns einmal zu bekochen. Wir wurden zu ihr nach Hause eingeladen und durften leckeres Essen und selbstgemachte Säfte genießen – ein wunderschöner und köstlicher Abend.

Tja, und dann hieß es schon wieder Abschied nehmen.Auch wenn die Tage sehr anstrengend sind – mit vollem Programm, großer Hitze und häufigen Stromausfällen – fällt uns der Abschied jedes Jahr schwer. Die Menschen sind uns sehr ans Herz gewachsen.

Deshalb sagen wir auch nicht „Tschüss“, sondern: Auf Wiedersehen, Togo!